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01

Patchwork-Familien

Posted by admin on May 1, 2010

Vielleicht hat man diesen Begriff schon das ein oder andere Mal gehört, kann sich jedoch trotzdem noch nicht so wirklich etwas hierunter vorstellen. Oder man kennt sogar selbst eine Patchwork-Familie und fragt sich, wie so etwas funktionieren kann.

Was ist eine Patchwork-Familie?

Eine Patchwork-Familie ist ein modernes und vielleicht auch weniger negativ belastetes Wort als die Stieffamilie. Durch Bilder der „bösen Stiefmutter“ oder des „bösen Stiefvaters“ bezeichnet man Familien lieber als Patchwork-Familien, um die verschiedene Herkunft positiv hervorzuheben.

Bei einer Patchwork-Familie kommt ein Elternteil mit mindestens einem Kind in eine Familie mit einem weiteren Elternteil und Kind. Die „Geschwister“ sind somit nicht leiblich verwandt. Dieser Familientyp kommt in Deutschland gar nicht so selten vor. Mit 7% ist er die dritthäufigste Familienform neben der sogenannten Kernfamilie (Paar mit gemeinsamen Kindern) und Alleinerziehenden. Seit einiger Zeit werden auch Paare, die nicht in ehelicher Gemeinschaft leben und Kinder haben oder Eltern eines Pflegekindes sind als Patchwork-Familien bezeichnet.

Früher gab es so gut wie keine Patchwork-Familien, da es gesellschaftlich verpönt war, den Partner zu wechseln – insbesondere dann, wenn bereits Kinder gezeugt waren. Lediglich durch den Tod eines Partners stand es dem Verbliebenen zu, neu zu heiraten. Besonders für Frauen war dies wichtig, da diese meist als Hausfrau und Mutter in Existenznot gerieten, wenn der Versorger der Familie starb. Sie brauchten einen Mann, der den Lebensunterhalt sicherte. Durch diese Konstellation waren Stiefkinder auch fast immer gleichzeitig Halbwaisen. Heute ist dies glücklicherweise nicht mehr so.

In Zeiten, in denen eine Scheidung toleriert wird und es völlig legitim ist, sich auch als geschiedene Frau mit Kindern einen neuen Mann zu suchen, der vielleicht ebenfalls schon Kinder hat, sieht es für die Stiefkinder besser aus. Sie haben meist noch beide Elternteile und wohnen beim einen oder anderen. Doch völlig komplikationslos sind solche Konstellationen deshalb noch lange nicht. Es gehört einiges dazu, damit eine Patchwork-Familie funktionieren kann.

Welche Probleme kann es in einer Patchwork-Familie geben?

Die häufigsten Probleme treten in Erziehungsfragen der Kinder auf. Entweder stimmen die Partner mit ihren Ansichten über die Kindererziehung nicht überein und versuchen verschiedene Maßstäbe an ihren Kindern anzuwenden. Dies werden die Kinder dann womöglich als ungerecht empfinden und gegen das Vorgehen der Eltern rebellieren. Gut möglich ist es jedoch auch, dass trotz perfekter Absprachen zwischen den Eltern das Kind des Lebenspartners die eigene Autorität nicht respektiert. Schließlich handelt es sich ja nicht um die „echte“ Mutter oder den „echten“ Vater.

Auch muss ganz klar erkannt werden, dass „Stiefkinder“ nicht denselben rechtlichen Status haben wie die leiblichen Kinder oder zum Beispiel Adoptionskinder. So kann in Sorgerechtsfragen nur der leibliche Elternteil über die Angelegenheiten des Kindes entscheiden. Ebenfalls ist das Erbrecht betroffen. Möchte ein Stiefelternteil seinem Stiefkind später sein Vermögen vererben, so muss dies im Testament verschriftlicht werden. Denn eine automatische Erbfolge und gesetzlich geregelte Pflichtanteile bestehen nur für leibliche und adoptierte Kinder.

Letztlich kann über Patchwork-Familien nur eins gesagt werden – ob sie funktionieren oder nicht, liegt in der Hand der Betroffenen. Die moderne Gesellschaft von heute steht einer solchen Familienkonstellation nicht im Weg und selbst rechtlich gibt es Möglichkeiten, diese abzusichern. Es liegt also in der Hand der Betroffenen, sich zu arrangieren und so zu einer glücklichen Familie zusammenzuwachsen.

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